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"Manche bauen ein ganzes Haus alleine, da werde ich bei meinem Bau doch wohl ein bisschen streichen, verlegen und verputzen können" – so oder ähnlich mag mancher denken, der den Bau eines eigenen Hauses plant. Doch in der Praxis folgt dann oft die Ernüchterung. Darum schauen wir mal, welche Eigenleistung sich beim Hausbau in der Regel lohnt.

 

Mögliche Muskelhypothek

Prinzipiell hat die Eigenleistung beim Hausbau zwei bestechende Vorteile:

  1. Ich senke meine Ausgaben und spare so Kreditvolumen ein
  2. Die Bank bewertet Eigenleistung als Eigenkapital bei der Baufinanzierung und bietet mir so niedrigere Bauzinsen.

Sogar beim Fertighaus können Sie vieles selber machen.

 

Fachwissen Häuslebau

Die Do-it-yourself (DIY) Academy e.V. bietet in ganz Deutschland Heimwerker-Workshops an, zum Beispiel "Mauern und Verputzen" oder "Fliesen legen". Ein eintägiger Kurs kostet 45 bis 119 Euro. Auf den Unterseiten von musterhaus.net/hausbau finden sich Beispielprojekte für Eigenleistungen: Vom Laminat verlegen bis zum günstigen Fertighaus mit hohem Eigenleistungsanteil.

 

 
 

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Wann lohnt sich die Eigenleistung beim Bau

Wir stellen jetzt bewusst keine Rechnung auf, welche mögliche Ersparnisse in einen Stundenlohn umrechnet, denn:

  1. Ein Laie erledigt die Arbeit meist nicht so gut, wie ein Fachmann. Von daher sind die Arbeiten schwierig zu vergleichen. Aber stört eine fehlende Qualität groß zum Beispiel beim Weißen einer Wand?
  2. Beim Fachmann erhalten Sie eine Gewährleistung auf die Arbeit. Wie berechnen Sie diese in den virtuellen Stundenlohn ein?
  3. Es heißt, dass ein Privatmann in der Regel drei mal soviel Zeit für eine Arbeit benötigt wie ein Fachmann. Ich konnte diese Regel gestern erst wieder bestätigt sehen, als ich beobachtete, wie eine Fremdfirma einen Gartenzaun aufstellte. Da ging alles Hand in Hand, in vier Stunden stand der Zaun über die gesamte Länge. Lotrecht und stabil!
    Aber viele Heimwerker sind nicht ganz unerfahren in dem, was sie als Eigenleistung planen. Erreichen sie schon fast Facharbeitsqualität? Die Unterschiede in den Heimwerker-Fähigkeiten der Häuslebauer sind zu groß, um pauschale Stundenlöhne für Eigenleistungen zu berechnen.

Nein, viel wichtiger zur Beantwortung der Frage: "Welche Eigenleistung lohnt sich beim Hausbau?" ist die Abklärung der folgenden Punkte:

  1. Beherrsche ich die Ausführung dieser Eigenarbeit in akzeptabler Qualität?
  2. Habe ich die Zeit, während der Hausbauphase neben Beruf und Familie die Eigenleistungen wie geplant durchzuführen?

Gerade der letzte Punkt ist entscheidend. Was nützen Ihnen ein paar Hundert Euro Ersparnis bei der Eigenleistung, wenn sich dadurch der Einzug um mehrere Monate verzögert und sie am Ende durch die Doppelbelastung von Miete und Kreditkosten sogar noch draufzahlen?

Zudem gilt: Wer die 40 überschritten hat, mag sich an den Spaß bei Renovierungsarbeiten in jungen Jahren in den Ferien oder am Wochenende erinnern. Damals hatte man aber deutlich mehr Energie und musste sich nicht um eine Familie kümmern.

Diese beiden Fragen müssen Sie sich ehrlich bei der Abwägung "Eigenleistung – ja oder nein?" beantworten.

 

gemeinsam arbeiten

Gemeinsames Arbeiten

Vor allem in Neubaugebieten schließen sich manchmal mehrere Häuslebauer in sogenannten Familienverbünden zusammen. Darin hilft man sich gegenseitig bei den anfallenden Arbeiten und organisiert auch kollektiv die Unterbringung der Kinder. Angenehmer Nebeneffekt: Auf der Baustelle lernt man sich kennen und teilt erste gemeinsame Erlebnisse. Beste Voraussetzungen für nette Nachbarschaftsverhältnisse und womöglich sogar tiefgehende Freundschaften.


Faustregeln zur Eigenleistung

Natürlich gibt es einige Faustregeln bei der Betrachtung der Rentabilität von Eigenleistungen. Diese lauten:

  1. Ich muss das notwendige Fachwissen für die Eigenleistung bereits besitzen oder mir aneignen.

  2. Eigenleistung beim Hausbau lohnt sich am ehesten dann, wenn die Lohnkosten einer Arbeit hoch ausfallen und die Materialkosten dagegen eher gering. Dies ist zum Beispiel bei folgenden Tätigkeiten der Fall:

    - Außen- und Innenputz aufbringen
    - Kabelverlegung nach Planung mit dem Elektriker
    - Wände tapezieren und anstreichen
    - Dielen, Teppich oder Laminat verlegen, Wandgestaltung
    - Fliesen verlegen
    - Teilarbeiten beim Dachboden ausbauen (Achtung: Die Dachdämmung ist ein kritischer Bereich, hier ist - Fachwissen gefragt)
    - Außen- und Innenputz aufbringen
    - Gartengestaltung
    - Ausheben und Betonieren von kleineren Fundamenten

  3. Vermeiden Sie Eigenleistungen, die den Baufortschritt verzögern könnten. Dies kann sehr teure Folgekosten nach sich ziehen.

  4. Vermeiden Sie Eigenleistungen, welche die Gewährleistung durch Ihren Bauträger gefährden.

Verbandsberechnungen

Der Verband privater Bauherren (VPB) hat einmal exemplarisch anhand eines 140 Quadratmeter-Reihenhauses errechnet, wie viel ein Heimwerker mit Geschick beim Bau durch Eigenleistung sparen kann.

Der Verband addierte die folgenden Arbeiten:

  • Garten anlegen
  • Malern
  • Tapezieren
  • Fliesen verlegen
  • Bodenbeläge verlegen
  • Innentüren einsetzen
  • Dachschrägen dämmen
  • Dachdämmen verkleiden

Gesamtersparnis laut Verband: 19.000 Euro

Berechnete Arbeitszeit des privaten Bauherren: 476 Stunden

Das entspricht drei Monate Vollzeitjob. Ob das neben der regulären Arbeit während der Bauphase überhaupt zu schaffen ist, sei dahingestellt.

Tipp: Klären Sie als Bauherr mit einem Mann vom Fach ab, welche Eigenleistung für Sie realistisch möglich ist. Der Fachmann berücksichtigt auch Terminvorgaben, die bei der Eigenleistung einzuhalten sind, falls andere Gewerke auf der Eigenleistung aufbauen wollen.

Die Eigenleistungen sollten im Bauvertrag festgehalten werden.

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