LüfterIch habe mich bereits vor knapp 20 Jahren eindrucksvoll von der Leistungsfähigkeit einer Wohnraumlüftungsanlage überzeugen können. Man stelle sich die Einweihungsparty eines jung verheirateten Ehepaares vor, dessen Eltern kräftig beim Bau des Hauses gesponsert hatten. Ich sollte morgens nach der Feier den Autoschlüssel für einen Bulli aus dem Haus abholen. Als ich um 10 Uhr klingelte, machte mir der deutlich verkaterte Hausherr die Tür auf und geleitete mich in den Wohnraum. Die Szenerie war wie erwartet beeindruckend, aber eine Sache fehlte.

Das großzügige Wohnzimmer mit bestimmt 50 Quadratmetern war für die Party mit Bänken und Tischen ausstaffiert. Sämtliche freien Flächen waren mit leeren Wein- und Bierflaschen, Gläsern, Essensresten und sogar einigen Aschenbechern (wir sprechen von den 90ern!) zugestellt. Das Fest schien ein voller Erfolg gewesen zu sein. Der Anblick hatte etwas durchaus Vertrautes, aber irgendetwas vermisste ich. Nach einigen Sekunden drang es in mein Bewusstsein: der Geruch. Beziehungsweise der fehlende Geruch. Es stank nicht. Auf meine diesbezügliche Frage hin deutete der Hausherr nur auf die Lüftungsschächte im Raum. Dann drückte er mir den Schlüssel in die Hand und verzog sich wortlos wieder ins Bett.

 
 

Das Prinzip

Als kontrollierte Wohnraumlüftung bezeichnet man das maschinelle Be- und Entlüften von Wohnräumen. Diese "künstliche" Lüftung kann entweder zentral oder dezentral erfolgen. Optimalerweise verringert ein Wärmetauscher beim Lüftungsvorgang den Verlust an Heizenergie. Die Systeme können auch nachgerüstet werden, vor allem dezentrale Lüfter.

Neben der Frischluftzufuhr reduziert eine maschinelle Wohnraumlüftung auch den Lärm beim Lüften (Straßenlärm durch offene Fenster bleibt draußen). Eingebaute Luftfilter reduzieren Pollen und Co. und sind von daher vor allem für Allergiker interessant.

Allerdings geht das sinnliche Erlebnis des Lüftens verloren. Wenn man ein Fenster aufmacht, eventuell sogar stoßlüftet, kommt die Außenwelt ungehindert ins Haus geweht. Gerüche, die Luftfeuchtigkeit, die Geräusche von draußen - alles kann von uns wahrgenommen werden. Im Winter wird es sogar kurz mal richtig kalt im Raum. Das mag kein entscheidender Aspekt sein (und einige sind vielleicht sogar froh, dass das alles draußen bleibt), er soll hier dennoch einmal genannt werden.

Passivhaus-Querschnitt

Dezentrale Lüftungsanlagen

Dezentrale Lüftungsanlagen kommen vor allem bei der Nachrüstung einer Wohnraumlüftung zum Einsatz. Dies kann ebenso zur Verbesserung des Raumklimas, zur Einsparung von Heizenergie beim Lüften oder zur Abfuhr hoher Luftfeuchtigkeit beitragen. Auch Wärmebrücken an der Außenwand und damit verbundene Schimmelgefahr kann mittels dezentraler Wohnraumlüftung wirkungsvoll vorgebeugt werden.

Auch in der Küche oder in Zimmern, in denen geraucht wird, trägt ein Wohnraumlüfter wirkungsvoll zur Raumluftverbesserung bei.

Montage

Zum Einbau eines dezentralen Lüfters ist ein Wanddurchbruch nach außen notwendig. Dies geschieht häufig neben einem Fenster oder in der Nähe der Fensterbank.

Wärmerückgewinnung

Bei dezentraler Wohnraumlüftung kommt zur Wärmerückgewinnung entweder ein Kreuzstromwärmeübertrager, ein Kreuzgegenstromwärmeübertrager oder ein Wärmespeicher mit zeitversetztem Gegenstromverfahren (sogenannter Wärmezwischenspeicher) zum Einsatz. Sogenannte Rückwärmezahlen in Höhe von 60–80 % bedeuten, dass bei Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung nur ein Bruchteil der Heizkosten verglichen mit der Fensterbelüftung verloren geht.

Vorteil auch: Durch die Wärmerückgewinnung wird die Außenluft im Sommer vorgekühlt.

Aber: Durch die Wärmerückgewinnung besitzt die eingeführte Außenluft nur noch eine sehr geringe Luftfeuchtigkeit. Hiergegen werden teilweise zusätzliche Luftbefeuchter in der Wohnraumlüftungs-Anlage eingesetzt.

Großer Lüfter

Ausgetauschte Luftmengen

Fachleute empfehlen, mindestens zwischen einem Drittel bis zur Hälfte der Luft eines Raumes pro Stunde einmal auszutauschen. Je höher die Anzahl der anwesenden Personen ist, desto mehr Luft sollte ausgetauscht werden.

In der ÖNORM H6038 wurden drei Arten (nach Raum, Personen oder Luftwechsel) der Auslegung deklariert, es gilt, jeweils die höchste Auslegung für den eigenen Fall anzuwenden:

Nach Raum

  • Badezimmer (mit und ohne WC): 40 m³/h
  • Nur-WC-Räume 20 m³/h
  • Abstellraum 10 m³/h
  • Küche 40 m³/h

Nach Personen

  • Als Mindestaußenluftvolumenstrom wird 36 m³/h je Person angenommen

Nach Luftwechsel

  • Der erforderliche Mindestluftvolumenstrom errechnet sich mittels der folgenden Formel:

Mindestluftvolumenstrom (in m³/h) = Wohnnutzfläche (in m²) × lichte Raumhöhe (in Meter) × Mindestluftwechsel (bei 0,5/h, über 150 m² Wohnnutzfläche kann bis auf 0,3/h verringert werden darf) Quelle: Wikipedia

Checkliste Kauf einer dezentralen Wohnraumlüftung

  1. Die Schalldämmung der Lüftungsanlage muss korrekt ausgeführt sein. Ansonsten drohen nervige Lüftergeräusche.
  2. Filter sind regelmäßig zu reinigen. Bei manchen dezentralen Lüftungsanlagen geht das sehr einfach, indem der Filter in der Spülmaschine gesäubert werden kann.
  3. Man teste vor dem Kauf die Anlage in einer hohen Austauschstufe. Bleibt der Lüfter auch dabei erträglich leise?
  4. Lassen Sie sich den Stromverbrauch des jeweiligen Systems vorrechnen.
  5. Wie groß fällt die notwendige Bohrung aus? Manche dezentrale Lüftungssysteme begnügen sich mit einer 180 Millimeter-Bohrung.
  6. Bis zu welcher Frosttemperatur ist das System einsatzfähig?
  7. Welche Luftaustauschraten sind mit dem System möglich?
  8. Passt die Innenblende zu meinem Wohnraumdesign?

 
 

Zusammenfassung im Video

Vor- und Nachteile einer kontrollierten Wohnraumlüftung Teil 1


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