Wir danken der Firma DICK für das zur Verfügung gestellte Material.



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Ein gutes Schneidwerkzeug sollte möglichst hohe Standzeit und zugleich geringe Sprödigkeit aufweisen. Diese pragmatische Forderung beinhaltet einen technischen Zielkonflikt, da Stahl mit zunehmender Härte an Elastizität verliert. Die Zugabe von Legierungselementen vermindert diesen Effekt, führt jedoch zu einem gröberen Gefüge und damit zu einer geringeren Endschärfe. Auch die Schärfbarkeit leidet bei legierten Werkzeugstählen, da sich die Schleifsteine leichter zusetzen.
Diese Überlegungen zeigen, dass es das „perfekte Stecheisen“ nicht geben kann. Entscheidend für die Werkzeugwahl ist das Einsatzgebiet und der Arbeitsstil des Anwenders. Wir bieten aus diesem Grunde zwei verschiedene Werkzeugtypen an:

  • Westliche Eisen
  • Japanische Eisen (Nomi)
  • Chinesische Eisen



 
Westliche Eisen
Ihre aus legierten Werkzeugstählen hergestellten Klingen sind relativ robust, die Schneiden sind wenig ausbruchgefährdet und, nicht zuletzt wegen des günstigeren Preises, auch für gröbere Arbeiten geeignet.

Die Klingen sind länger als bei japanischen Eisen.


 
Japanische Eisen (Nomi)
Ihre Klingen sind deutlich härter (63-66 Rockwell) und verschleißfester, jedoch auch empfindlicher als "westliche" Stähle. Hebeln, grobe Behandlung und „astiges“ Holz vertragen sie weniger gut. Korrektes Schärfen auf Wassersteinen und sorgfältige Behandlung belohnen sie durch höchste Schnittleistung und Standzeit selbst in härtestem Holz. Bei einem Verschleißtest von 16 verschiedenen Stemmeisen schnitten die drei teilnehmenden Nomi mit Abstand am besten ab (s. Zeitschrift "Fine Woodworking", Dez. 1999).

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Herstellungsprozeß eines handgeschmiedeten Nomi: Feuerverschweißen des harten und weichen Stahls, Ausschmieden des Halses und der Angel, Anfasen, Grobschliff, Härten, Anlassen, Richten, Feinschliff, Griffherstellung und Montage.


 
Chinesische Eisen
Traditionelle chinesische Stemmeisen sind neu auf dem deutschen Markt. Sie überzeugen durch sehr robuste HSS-Stahlklingen, die auch eine raue Behandlung in der Restaurierung, Bautischlerei und bei verschleißfördernden Materialien verkraften. Die ausgestellte Form der Klingen bietet in Ecken und Hinterschneidungen Vorteile. Trotz einfacher Verarbeitung ist ihr Preis/Leistungsverhältnis unschlagbar.



 
Aufbau japanischer Stemmeisen (1 von 4)
ImageKlinge aus Zweilagen-Stahl
Weiches Eisen, das die Klinge vor Sprödbruch schützt und den Schlag dämpft (Nomi werden in der Regel mit einem Eisenhammer geschlagen), ist mit einer dünnen Schicht aus härtestem Kohlenstoffstahl (Ausnahme HSS-Nomi) schmiedeverschweißt.

ImageAbgewinkelte Klinge
Durch die Abwinkelung des Blattes wird die Arbeitstiefe auf nahezu das Doppelte der Blattlänge erhöht.



 

 

Integralbauweise
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Der Hals ist nahtlos im Heft integriert und liegt damit angenehm in der Hand, selbst wenn das Eisen in Klingennähe geführt wird. Die massive, konische Stahlzwinge schützt das Heft beim Schlagen mit dem Hammer zuverlässig vor Bruch oder Lockerung (lebenslange Garantie).




 

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Hohlschliff
Der Hohlschliff (Ura) auf der Spiegelseite verringert die Kontaktfläche und setzt damit die Reibung und die erforderliche Schnittkraft herab.

Zudem erleichtert er das Abziehen, da nur der Rand des harten Plattierungsstahls bearbeitet wird. Durch den geringen Abtrag beim Abziehen bleibt die gerade Schneide erhalten, auch wenn im Laufe der Zeit das Blatt durch das Schärfen kürzer wird.


 
Vorbereitung und Schärfen
Nomi sind beim Kauf nicht gebrauchsfertig (Ausnahme HSS-Nomi). Sie müssen zuerst geschärft und abgezogen werden.

Wir empfehlen japanische Wassersteine, z. B. den Kombinationsstein der Körnung 1000/6000. Für hohe Genauigkeitsanforderungen sollte die Spiegelseite vor dem ersten Gebrauch plan abgerichtet werden. Dazu wird in der Regel eine Stahlplatte mit SiC-Pulver oder ein Diamantstein verwendet. Die Zwinge am Heftende sollte vor dem ersten Gebrauch so weit auf das Heft getrieben werden, dass man bei Benutzung eines Hammers nur noch auf Holz schlägt.


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