Rissüberwachung Symbolbild

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Rissüberwachung: Was die kontinuierliche Messung zur Diagnose beiträgt

Das Wichtigste in Kürze

  • Zeigt ein Bauwerk Risse, stellt sich für den Fachmann die Frage nach deren Entwicklung im Zeitverlauf.
  • Eine Einzelablesung sagt darüber nichts aus – erforderlich ist ein Verlauf.
  • Mechanische Messgeräte bleiben die Referenz für die kontrollierte Überwachung vor Ort.
  • Die vernetzte Messung ergänzt sie dort, wo Ablesehäufigkeit oder Zugänglichkeit an Grenzen stoßen.
  • Der wesentliche Beitrag: eine Messdichte, die manuell nicht erreichbar ist – und Daten, die sich miteinander in Beziehung setzen lassen.

Details und Erläuterungen zu allen Punkten im weiteren Artikel.

Die Frage, die sich dem Fachmann stellt

Ein bei der Begehung festgestellter Riss wirft stets dieselbe Frage auf: Ist er stabilisiert oder entwickelt er sich weiter? Von der Antwort hängen sehr unterschiedliche Empfehlungen ab, und der Sachverständige stützt seine Beurteilung darauf.

Diese Antwort lässt sich jedoch nicht am Momentanzustand des Schadens ablesen. Sie entsteht erst über die Zeit.

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Vernetztes Rissmessgerät R1 zur Fernüberwachung eines Risses an einem Betonbauwerk. Foto: Saugnac

Was der Momentanzustand nicht verrät

Die an einem bestimmten Tag gemessene Rissbreite beschreibt eine Situation, nicht einen Verlauf. Erst die Entwicklung – ihre Richtung, ihr Tempo, ihre Regelmäßigkeit – erlaubt es, das Phänomen zu charakterisieren.

Eine belastbare Überwachung muss daher klären, ob die Bewegung fortschreitet, zum Stillstand kommt oder einem Zyklus folgt. Diese Unterscheidung ergibt sich nur aus einer hinreichend dichten und hinreichend langen Messreihe – und bleibt in jedem Fall Sache der fachlichen Beurteilung.

Manuelle Ablesung und vernetzte Messung: zwei sich ergänzende Ansätze

Mechanische Messgeräte mit manueller Ablesung bleiben in vielen Situationen das Referenzwerkzeug: einfach, robust, ohne elektronische Abhängigkeit und bestens geeignet, wenn das Objekt zugänglich ist und die Überwachung vor Ort erfolgen kann. Saugnac stellt sie seit über 30 Jahren her; sie bilden das Fundament des Metiers.

Die vernetzte Messung deckt einen anderen Bedarf ab, der in zwei Konstellationen auftritt.

  • Die Ablesehäufigkeit. Eine manuelle Überwachung ist um einzelne Begehungen herum organisiert. Die gewonnene Messreihe ist zuverlässig, aber diskret: Was zwischen zwei Ablesungen geschieht, ist nicht dokumentiert. Ein vernetzter Sensor misst im gewählten Zeittakt – bis zu stündlich – und erzeugt eine kontinuierliche Reihe.
  • Die Zugänglichkeit. Manche Messpunkte verursachen Anfahrtskosten, die in keinem Verhältnis zur Messung selbst stehen: Fassaden in großer Höhe, Ingenieurbauwerke, Untergeschosse, weit entfernte Objekte. Die Fernübertragung eliminiert diesen Aufwand.

Beide Ansätze stehen nicht im Widerspruch zueinander. Sie werden nach Objektkonfiguration und den Randbedingungen des Einsatzes gewählt.

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Rissbreitenmessung mit einer Auflösung von 0,01 mm – zusätzlich werden Temperatur und relative Luftfeuchtigkeit erfasst. Foto: Saugnac

Der R1: Rissbreite und Umgebungsdaten

Das vernetzte Rissmessgerät R1 misst die Rissbreite mit einer Auflösung von 0,01 mm und erfasst gleichzeitig Temperatur und relative Luftfeuchtigkeit am Messpunkt.

Diese simultane Erfassung ist der entscheidende Punkt. Sie erlaubt es, Veränderungen der Rissbreite mit den zeitgleich am selben Ort registrierten Umgebungsbedingungen in Beziehung zu setzen. Dem Fachmann liegen damit korrelierbare Messreihen vor statt eines isolierten Werts – die Grundlage seiner Interpretation wird dadurch breiter.

Umsetzung in der Praxis

Das Gerät wird betriebsbereit geliefert. Die Konfiguration erfolgt in wenigen Klicks, ohne IT-Kenntnisse. Die Montage erfordert zwei Bohrungen – auf massivem oder hohlem Untergrund, flach oder in einer Ecke – und dauert wenige Minuten, ohne Spezialwerkzeug oder Schulung.

Die Übertragung erfolgt über ein LTE-M/NB-IoT-Modul, das für den Betrieb bei eingeschränkten Empfangsbedingungen ausgelegt ist: Untergeschosse, Keller, erdberührte Bauwerke, Messpunkte hinter dicken Wänden.

Je nach gewählter Mess- und Übertragungshäufigkeit erreicht die Batterie eine Autonomie von bis zu acht Jahren. Bei mehrjähriger Überwachung wird der Wartungsaufwand damit vernachlässigbar.

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Betriebsbereit geliefert: Zwei Bohrungen genügen zur Befestigung – ohne Spezialwerkzeug. Foto: Saugnac

Auswertung der Daten

Die Messwerte werden in der Saugnac-App zentralisiert, abrufbar über Computer oder Smartphone. Der Fachmann legt die Messhäufigkeit fest, betrachtet die Kurven, definiert Warnschwellen und erhält bei Überschreitung eine Benachrichtigung.

Der Export im Excel- oder CSV-Format ermöglicht die direkte Übernahme der Messreihen in ein Sachverständigengutachten oder ein System zur technischen Gebäudebewirtschaftung.

Einsatzkontexte

Die vernetzte Überwachung findet in mehreren Einsatzbereichen ihren Platz:

  • Ingenieurbüros und Bauingenieure. Eine Diagnose auf Basis einer kontinuierlichen Messreihe statt einiger weniger Messpunkte.
  • Beweissicherung und Baubegleitung. Dokumentation vor, während und nach Arbeiten in der Nachbarschaft – mit zeitgestempeltem Verlauf.
  • Überwachung mehrerer Messpunkte im Portfolio, mit Priorisierung der Maßnahmen anhand realer Daten.
  • Denkmalgeschützte Bauwerke. Diskrete und nicht-invasive Überwachung ohne schwerwiegende Eingriffe in die Struktur.
  • Ingenieurbauwerke und Infrastrukturen. Brücken, Tunnel und Bauwerke unter mechanischer und klimatischer Beanspruchung, bei denen die Zugänglichkeit die Überwachungskosten bestimmt.

Fazit

Die vernetzte Messung ersetzt weder die Fachkompetenz noch die bewährten Ablesemethoden. Sie erweitert die Datengrundlage, auf der der Fachmann seine Beurteilung aufbaut: mehr Messpunkte, über einen längeren Zeitraum, mit zugehörigen Umgebungsparametern – und ohne dass die Messhäufigkeit von der Zahl der möglichen Anfahrten abhängt.

Sie ist ein Diagnosewerkzeug. Die Interpretation bleibt das Metier dessen, der es einsetzt.

Über Saugnac Messgeräte: Das französische Unternehmen stellt seit über 30 Jahren Messgeräte her und zählt zu den Referenzen in der Überwachung von Rissen und Strukturbewegungen. Seit rund einem Jahrzehnt ist es auf dem deutschen und österreichischen Markt tätig. www.saugnac-messgeraete.de

Geschrieben von

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