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Alte Farbe von der Wand entfernen: 12 Methoden von sanft bis grob

Farbe auf nackter Wand, ohne störanfällige Tapete dazwischen, erfreut sich steigender Beliebtheit. Aber mit den Jahren wird die ehemals farblich einwandfreie Fläche an vielen Stellen von Schmutz, Rissen und Abrieb hässlich unterbrochen.

Zumeist kann das erste mal einfach problemlos über die alte Farbe rübergestrichen werden. Sollte das aber nicht die erste Ausbesserungsaktion sein oder sind die Wände nicht mehr ganz taufrisch, bröckelt gar der Putz an einigen Stellen ab, muss die alte Farbe runter.

Mit diesen Werkzeugen und kleinen Tricks lässt sich problemlos die alte Farbe von der Wand entfernen.

Wir gehen zunächst von einfachen Fällen aus und widmen uns dann den problematischeren Situationen. Achte bei allen Arbeitsschritten darauf, beim Entfernen der Farbe den Untergrund zu schonen, der Putz sollte so wenig wie möglich in Mitleidenschaft gezogen werden.

 
 

farbe wand struktur gelbVor allem strukturierter Putz sollte einfach überstrichen werden. Bei solchen Oberflächen lässt sich die alte Farbe nur extrem mühselig entfernen.

Punkt 1

Leichteste Möglichkeit: Überstreichen

Wenn der alte Anstrich sehr stabil ist (sauber, trocken und nicht abbröckelnd) und eine gute Oberflächenstruktur aufweist, kann dieser einfach überstrichen werden. Auch knallige Farbtöne können problemlos übertönt werden, nach dem zweiten Anstrich deckt auch ein Weiß, das poppige Rot darunter ist nicht mehr zu sehen. Immer vorausgesetzt es kommt eine gut deckende, hochwertige Farbe mit vielen Farbpigmenten (die Pigmentdichte ist entscheidend für die Farbdeckung) und einem hohen Bindemittelanteil zum Einsatz.

Es empfiehlt sich, Deckkraftklasse und Nassabriebbeständigkeit der Klasse 1 zu wählen.

Schmutzige oder fettige Altanstriche (z. B. in der Küche) müssen vor dem Überstreichen gereinigt werden, eventuell muss sogar eine Grundierung erfolgen.

Zum Überstreichen von Raucherwohnungen werden spezielle Farben angeboten.

Punkt 2

Wandfarbe auf Wasserbasis einfach abwaschen

Wasserbasierte Farbe lässt sich mit warmen Wasser und Schwamm entfernen.

  1. Im ersten Arbeitsgang wird die Farbe mit einem gut gewässerten Schwamm eingeweicht (Boden gut abdecken).
  2. Die aufgeweichte Farbe dann mit einem feuchten Schwamm abgewischt und abgeschrubbt.

Eine staubfreie aber langwierige Arbeit, vor allem bei großen Flächen. Eventuell reicht es aus, wenn die alte Farbe nur stellenweise „nahezu“ abgewaschen wird, anstatt auch noch den letzten Farbpigment runterspülen zu wollen.

Erfreulich: Sehr viele Wandfarben sind wasserbasiert und lassen sich darum einfach mit dem Schwamm entfernen.

Sonderfall hartnäckige Dispersionsfarbe

Dispersionsfarben gehören ebenfalls zu den häufig verwendeten Wandfarben. Sie bestehen aus Füllstoffen, Binde- und Lösungsmitteln. Als Dispersion wird ein Cocktail aus mindestens zwei Stoffen bezeichnet, die sich chemisch verbinden (Emulsion). Handelsübliche Wandfarben werden in synthetische Kunstharzdispersionsfarbe und Naturharzdispersionsfarbe unterschieden. Weiß pigmentierte Farbe kann zur Tönung mit Volltonfarben gemischt werden.

Manche dieser Farben können nicht mit "sanften" Möglichkeiten abgetragen werden. Dies gilt oftmals im Badezimmer. Hier helfen nur „härtere Maßnahmen“, eventuell ist sogar ein Abbeizen unumgänglich.

Tipp: Nur ein Maler oder Fachbetrieb erkennt Farben auf anhieb. Als Laie muss man aber gar nicht wissen, welche Farbe beim Altanstrich verwendet wurde. Man probiere einfach zunächst die sanfteren Methoden (Wasser&Schwamm, überstreichen, Spachtel&Schwamm) aus, erst wenn diese nicht funktionieren, sollte man zu den gröberen, gesundheitlich bedenklicheren Mitteln greifen.

spachtel alt holzgriff

Punkt 3

Dein Freund der Spachtel

Gehen wir einmal davon aus, der Untergrund ist eben wie eine Fensterscheibe, der Farbanstrich aber stammt aus Opas Jugendzeit. Dann nimmt man sich einfach einen stabilen (nicht biegsamen) Spachtel oder Schaber und schabt damit die alte Farbe locker runter. Je schärfer der Spachtel/Schaber, umso effektiver löst sich die Farbe von der Wand.

Druck fein dosieren! 
Achte darauf, dass du beim Schaben möglichst wenig den Putz beschädigst.

Arbeite zunächst von oben nach unten, dann von rechts nach links (oder umgekehrt, das kannst du halten wie ein Dachdecker). Da bei dieser Arbeit gerne mal kleine Splitter durch die Gegend wirbeln, rate ich zum Tragen einer Schutzbrille. Arbeitshandschuhe tun ihr übriges, unnötige Verletzungen zu vermeiden.

farben

Punkt 4

... dann der Schwamm

schwamm Im Anschluss kann dann mit einem gut angefeuchtetem Schwamm die restliche Farbe von der Wand gewaschen werden. Verwende für die Farbreste die grobe Seite des Schwammes, der 10er-Pack Schwämme für einen Euro reicht vollkommen aus. Reibe mit einem trockenen Tuch nach, um das gröbste Wasser wieder aufzunehmen.

Die Arbeit mit Spachtel und Schwamm geht in die Arme. Sieh es sportlich, Fitnessprogramm und Heimwerkerprojekt in einem.

Auf rauen Oberflächen ist der Schaber/Spachtel nicht das Werkzeug der Wahl, hier kommen wir zur:

Punkt 5

Widerstand? Drahtbürste!

Mit dem Einsatz der Drahtbürste kann die alte, hartnäckig haftende Farbe angeraut und gelöst werden. Eventuell hast du sogar einen Drahtbürstenaufsatz für die Bohrmaschine zur Verfügung. Es muss ja nicht gleich die Sanierfräse von Festool sein, auf die so mancher Profi schwört, da deren Eindringtiefe stufenlos verstellbar ist. 

Beim Einsatz von Bohrmaschine, Schleifer oder Fräse sollte der Staub abgesaugt und eine Schutzmaske getragen werden. 

Probiere einfach aus, ob mit der Drahtbürste bei deinem Untergrund ein sinnvolles Ergebnis herauskommt. Falls nicht, bleibt immer noch:

Punkt 6

Schonender ... Schleifen

Schonender als Drahtbürste oder Fräse ist der Einsatz von Schleifpapier. Auf instabilen Untergründen solltest du eine feinere Körnung verwenden. Auch hier kann das Schleifen nur zum Aufrauhen genutzt werden, danach kann mit dem Spachtel weitergearbeitet werden. Aber oftmals reicht auch das Schleifen alleine aus.

Denke daran: Die Schutzmaske verhindert Schäden an der Lunge, trotz Absauger auf der Schleifmaschine wird es viel Dreck geben. Wer weiss, was in der alten Farbe so alles für Chemikalien stecken ...

Bedenke: Jede Strukturierung wird beim Schleifen eingeebnet.

Punkt 7

Für Härtefälle: Hammer und Meißel

Wenn auch das Abschleifen nicht erfolgversprechend ist, zum Beispiel, weil die alte Oberfläche zu zerklüftet und/oder locker ist, sollte man die alte Farbe mitsamt dem Oberflächenputz abschlagen und das Zimmer komplett neu verputzen. Das ist die aufwändigste Methode, alte Farbe von der Wand zu entfernen, ist in einigen Altbauten aber die zielführendste und dauerhafteste Methode.

Der Aufbau des neues Putzes und der Farbschicht kann zudem mit ökologischen Materialien erfolgen. So wird dieser „Neuanstrich“ zur gesündesten Variante.

Eine Wand völlig eben und glatt zu verputzen erfordert ein gewisses Maß an Können.

Punkt 8

Hochdruckreiniger

In manchen Räumen oder einer Kernsanierung kann der Einsatz eines Hochdruckreinigers gute Dienste leisten. Aber sei bitte vorsichtig, die Kollateralschäden eines Hochdruckreinigers können beträchtlich ausfallen (von Löcher in den Putz schlagen bis zum Herauslösen der Fensterdichtung). Die Wand muss nach dem Einsatz des Hochdruckstrahlers vor dem Auftragen der neuen Farbe auf jeden Fall genügend Zeit zum gründlichen Durchtrocknen erhalten.

Punkt 9

Chemische Abbeize

farbe auf wandChemische Farbentferner leisten hervorragende Dienste beim Lösen alter Farbe. Auch hartnäckige Anstriche auf stark haftenden Untergründen lassen sich unter Zuhilfenahme dieser Mittel lösen. Die Abbeizmittel holen die Farbe auch aus Vertiefungen und kleinen Ritzen.

Einmal aufgetragen muss das Mittel zunächst einziehen. Nach dem Auftragen und Einwirken wird die alte Farbe dann einfach abgewaschen (oder abgestrahlt). 

Ich würde aber nur im Notfall darauf zurückgreifen, gesünder und umweltfreundlicher ist die mechanische Variante mit Staubmaske. Wichtig: Der Raum muss während der Arbeit immer gut durchlüftet werden.

Punkt 10

Heißluftpistole

Alte Farbe, vor allem Lack, löst sich unter heißer Luft. Viele Lackfarben heben sich vom Untergrund ab, wenn sie erhitzt werden und können dann mit einem Spachtel oder - bei rauer Oberfläche - mit einer Drahtbürste abgeschabt werden. 

Das Lösen der alten Farbschichten mit der Heißluftpistole ist eine schonende Variante der Farbentfernung. Es dauert aber seine Zeit, von daher würde ich die Heißluftpistole nur an hartnäckigen Stellen nutzen. Manchmal reicht schon ein starker Föhn aus.

Auch bei dieser Arbeit empfiehlt sich dringend ein Atemschutz. Der Untergrund darf nicht hitzeempfindlich oder leicht brennbar sein.

Exotische Möglichkeiten

Punkt 11

... mit der Fräse

 Hier sieht man den Einsatz einer Fräse. Ich würde, anders als im Video, zusätzlich eine Staubmaske tragen.

Punkt 12

Trockeneisreinigung

 Die Trockeisreinigung ist eine Variante, die wohl den meisten nicht zur Verfügung steht:

 

Wie geht es weiter, wenn die Farbe von der Wand entfernt ist?

Zunächst lässt du die Wand gut trocknen, so du Wasser oder Chemie zum Einsatz gebracht hast. Dann verspachtelst du Unebenheiten, bei Bedarf mehrfach, und schleifst diese mit 100er-Körnung nach. Vor dem Auftragen der neuen Farbe, vor allem bei einer Decke, eventuell mit Dispersionsfarbe und Tiefgrund vorstreichen. Nach 24 Stunden Trocknungszeit kann dann die neue Farbe aufgebracht werden. Gute Tipps zum Farbe auftragen findest du zum Beispiel in der 1-2-do Community

Farbe auftragen

Dieses Video ist zwar eine Werbevariante, liefert aber trotzdem tolle Tipps zum Streichen von Wänden.

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