Innendämmung mit Kalziumsilikatplatten – Vorteile und Nachteile

Bei der Innendämmung hat jeder Anwender individuelle Ansprüche an das zu verwendende Material. Während es in manchen Fällen so günstig wie möglich ausfallen muss, spielen in anderen Fällen Brandverhalten und Raumklima eine entscheidende Rolle.

Kalziumsilikatplatten, auch Klimaplatten genannt, spricht man eine Menge positiver Eigenschaften zu, wie beispielsweise Schutz vor Schimmelbildung oder die Zusammensetzung aus natürlichen Bestandteilen. Aus diesem Grund haben wir sie uns genauer angeschaut und stellen in diesem Beitrag fest, was die Vor- und Nachteile sind und für wen sie sich eignen.

Rosa Wärmedämmung
Innendämmung früher: Mineralwolle zwischen Sparren

Inhalt: Innendämmung mit Kalziumsilikatplatten – Vorteile und Nachteile

1. Das Material

Kalziumsilikatplatten werden auch Calciumsilikat-, oder Silikatplatten genannt. Ebenso kennt man sie auch unter dem Begriff Klimaplatten, da sie einen positiven Einfluss auf das Raumklima haben. Dies ist einerseits wegen der natürlichen Bestandteile, andererseits wegen ihrer kapillaraktiven Eigenschaften.

Klimaplatten bestehen aus den Mineralien Kalzium- und Siliziumdioxid, die dann mit Wasser und Zellulosefasern vermengt werden. Dieses Gemisch wird dann unter Druck zu Klimaplatten verpresst. Die dadurch entstehende offenporige Struktur bildet die Grundlage für eine hervorragende Feuchtigkeitsregulierung und weitere positive Eigenschaften. Mehr dazu:

Beitrag: Was sind Klimaplatten?

klimaplatte was sind 564

Was sind Klimaplatten? Eigenschaften, Schimmelschutz, Montage und Tipps

Klimaplatten – was ist das? Klimaplatten bzw. Kalciumsilikat-Platten stehen im Ruf, gegen Schimmel vorzubeugen, zu einem angenehmen Wohnklima beizutragen und recht einfach zu montierbar zu sein. Wird die Klimaplatte ihrem Ruf gerecht? Gibt es auch Nachteile?

Hier weiterlesen

2. Schutz vor Schimmel

Bei herkömmlichen Verfahren der Innendämmung werden Ständerwände erstellt, mit Mineralwolle bestückt und anschließend mit Gipskartonplatten beplankt. Der Nachteil: Es kann sich Kondenswasser in Hohlräumen bilden, was unbemerkt eine Schimmelbildung nach sich zieht und das Raumklima ungünstig beeinflusst. Kalziumsilikatplatten dämmen kapillaraktiv, verhindern Schimmel (bis zu einem bestimmten Grad) und werden direkt auf die Wand geklebt – ohne Hohlräume zu bilden.

Die Klimaplatte kann dazu in etwa so viel Feuchtigkeit aufnehmen, wie sie selbst wiegt, manche sogar deutlich mehr. Bei hoher Luftfeuchtigkeit nimmt die Silikatplatte daher eine entsprechende Menge Feuchtigkeit auf, die sie dann bei trockener Atmosphäre wieder in den Raum abgibt. Dieses regulierende Verhalten erzeugt permanent ein gutes Raumklima. Darum hat Schimmel, der eine Luftfeuchte von 80 Prozent liebt, weniger Chancen, sich anzusiedeln.

3. Weitere positive Eigenschaften

Kalziumsilikatplatten sind nicht brennbar, was sie für den Brandschutz im Innenausbau sehr wertvoll macht. Nach EU-Baustoffklassifizierung für die Beurteilung von Brandverhalten (EN 13 501) sind die Klimaplatten in der Klasse A1 eingestuft.

Der positive Einfluss auf das Wohnraumklima wurde bereits im Zusammenhang mit den kapillaraktiven Eigenschaften und den verwendeten natürlichen Materialien genannt.

Apropos natürliche Materialien: Die Baubranche ist nicht gerade bekannt dafür, nachhaltige Baustoffe zu verwenden, denn rund 40 % des weltweiten Treibhausgases verursacht allein nur die Baubranche. Die Herstellung von Zement, der wohlweislich für Beton benötigt wird, trägt einen wesentlichen Teil dazu bei.

Mit der Verwendung von Klimaplatten hat man also nicht nur einen Raumklima-Vorteil unmittelbar im eigenen Zuhause, sondern leistet darüber hinaus noch einen Beitrag zur Nachhaltigkeit.

Die extreme Langlebigkeit ist ebenfalls als eine weitere positive Eigenschaft zu nennen. Dieser Umstand ist nicht nur für den eigenen Geldbeutel, sondern auch für die Nachhaltigkeit ein klarer Vorteil.

Ein weiterer Vorteil ist die leicht durchzuführende Montage. Wie genau die Anbringung vorzunehmen ist, wird im nächsten Abschnitt beschrieben.

4. Einfache Montage

Die Montage von Klimaplatten ist denkbar einfach. Sie können leicht mit einer einfachen Handsäge zurechtgeschnitten werden. Sind die Platten einmal vorbereitet, beginnt das Anbringen. Die einzelnen Platten werden mittels speziellem Silikatkleber auf die Wand gebracht. So weit, so einfach. Doch zuvor müssen noch einige wichtige Vorkehrungen getroffen werden, damit die Montage nachhaltigen Erfolg hat.

Die zu dämmende Wand muss unbedingt ganz glatt sein. Denn nur wenn keine Hohlräume zwischen Klimaplatten und Wand entstanden sind, ist der Schutz vor Schimmel wirksam. Weist die Wand Unebenheiten vor, dann müssen diese durch Verputzen ausgeglichen werden.

Dazu muss gewährleistet sein, dass die Wand trocken, staub- und schimmelfrei ist. Wenn Schimmel vorhanden ist, muss dieser zwingend entsprechend behandelt und entfernt werden. Erst wenn die Wand wirklich trocken und schimmelfrei ist, kann mit der Montage der Kalziumsilikatplatten beginnen.

5. Nachteile von Kalziumsilikatplatten

Wenn auch die Vorteile von Kalziumsilikatplatten deutlich überwiegen, gibt es dennoch einige Nachteile zu nennen.

  • Klimaplatten sind kein Hochleistungsdämmstoff, sodass sie eine bestimmte Dämmdicke aufweisen müssen, um eine ausreichende Wärmedämmung zu gewährleisten. Dies kostet nicht nur Wohnraum, sondern auch Budget. Denn die Kosten für Kalziumsilikatplatten sind verhältnismäßig hoch, im Vergleich zu Holzfaserplatten oder Mineralwolle.
  • Ihre Fähigkeit zur Feuchtigkeitsaufnahme kann auch als Nachteil gesehen werden, da diese Dämmplatten halt nicht "dicht" sind.  Diese Platten können Wasser aus der Umgebung aufnehmen, was dazu führen kann, dass sie im Laufe der Zeit an Festigkeit verlieren. Das kann besonders problematisch sein, wenn die Platten in feuchten Umgebungen oder in Bereichen mit hohen Niederschlagsmengen eingesetzt werden. 
  • Kalziumsilikatplatten können unter bestimmten Umständen brüchig werden, was bedeutet, dass sie anfällig für Risse und Brüche sind. Das kann zu Problemen führen, wenn die Platten starken Belastungen oder Erschütterungen ausgesetzt sind. Wenn du also in einem Bereich baust, in dem es häufige Erschütterungen gibt, wie zum Beispiel in der Nähe einer Bahnstrecke oder einer stark befahrenen Straße, solltest du möglicherweise nach einem robusteren Material suchen.
  • Kalziumsilikatplatten sind ein wenig schwerer als andere Dämmmaterialien wie zum Beispiel Polystyrol oder Mineralwolle. Kein großer Unterschied, aber es kann dazu führen, dass zusätzliche Verstärkungen oder Tragstrukturen erforderlich sind, um das Gewicht der Platten zu tragen. 
  • Nicht immer sind die Klimaplatten geeignet, um einen Bereich zu dämmen. Zum Beispiel sind sie möglicherweise nicht die beste Wahl für die Isolierung von Rohren oder Kanälen, da sie hierfür nicht die erforderliche Flexibilität bieten. 
  • Die Herstellung von Kalziumsilikatplatten erfordert einen hohen Energieaufwand und wird damit tendenziell zur Emission von Treibhausgasen beitragen. Das kann den ökologischen Fußabdruck deines Bauprojekts erhöhen. Es gibt umweltfreundlichere Alternativen wie zum Beispiel Dämmmaterialien auf Pflanzenbasis oder recycelte Materialien, die du in Betracht ziehen könntest.
  • Bei der Verarbeitung von Kalziumsilikatplatten können feine Staubpartikel freigesetzt werden, die bei längerer Exposition gesundheitliche Probleme verursachen können. Einige Menschen können empfindlich auf den Staub reagieren und Atemwegsreizungen, Hautreizungen oder Augenreizungen entwickeln. Um gesundheitliche Risiken zu minimieren, solltest du bei der Verarbeitung von Kalziumsilikatplatten immer Schutzkleidung wie Handschuhe, Atemschutzmasken und Schutzbrillen tragen.
  • Längere Wartezeit: In einigen Regionen kann es schwierig sein, Kalziumsilikatplatten in der gewünschten Größe oder Menge zu finden. Das kann dazu führen, dass du die Platten bestellen und auf die Lieferung warten musst, was Zeitverzögerungen bei deinem Bauprojekt verursachen kann. 
  • Um die kapillaraktive Struktur nicht zu verschließen, dürfen nur bestimmte Farben auf diese Platten aufgebracht werden. Am besten geeignet sind Silikatfarben, aber auch Kalk-, Kreidefarben und Mineralputz sind möglich.

Beitrag: Silikatfarbe

Silikatfarbe: Eigenschaften, Anwendung und mehr

Du hast sicherlich schon von Silikatfarbe gehört, aber weißt du auch, was das eigentlich ist und wofür sie verwendet wird? In diesem Artikel erfährst du alles, was du über Silikatfarbe wissen musst.

Hier weiterlesen

Beitrag: Dispersionssilikatfarbe: Vor- und Nachteile, Anwendung

Dispersionssilikatfarbe: Eine atmungsaktive und umweltfreundliche Wahl für deine Wand

Wenn es um die Wahl der Farbe für deine Wand geht, hast du eine große Auswahl an Optionen. Eine davon ist Dispersionssilikatfarbe. In diesem Artikel werde ich dir alles Wichtige erklären, was du über diese Art von Farbe wissen musst.

Hier weiterlesen

6. Einsatzgebiete von Klimaplatten

Wer beispielsweise aus Kostengründen nicht im ganzen Haus Klimaplatten zur Innenraumdämmung einsetzen möchte, sollte dies mindestens in Küche und Bad tun. Denn gerade in Räumen, in denen alltäglich eine hohe Luftfeuchtigkeit herrscht, sind Kalziumsilikatplatten am besten platziert.

Auch zur Sanierung von Objekten mit feuchtem Mauerwerk, beispielsweise bei alten oder historischen Gebäuden, sind Klimaplatten die perfekte Wahl im Kampf gegen Kondensation und Schimmelbildung. Auch Teilbereiche, beispielsweise um Fenster oder Türen herum, kann der Einsatz von Klimaplatten der entscheidende Faktor gegen Feuchtigkeit sein.

Ebenso können Klimaplatten dienlich sein, um ein Brandschutzziel zu erreichen. Dazu sind sie überall dort gut aufgehoben, wo man nachhaltige und klimabegünstigende Materialien einsetzen möchte. Bestenfalls mit einer Ausgangssituation, indem die Klimaplatten nicht entscheidend für die Dämmung insgesamt sind.

7. Video: Sind Kalziumsilikatplatten  wirklich so wunderbar?

Länge:15 Minuten

Youtube-Video

Mit Klick auf dem Button wird eine Verbindung zu Youtube hergestellt und die bei Youtube üblichen Daten erhoben und Cookies gesetzt.

8. Ergänzung oder Frage von dir?

Gibt es eine Frage zum Beitrag, etwas zu ergänzen oder vielleicht sogar zu korrigieren?

Fehlt etwas im Beitrag? ... Jeder kleine Hinweis/Frage bringt uns weiter und wird in den Text eingearbeitet. Vielen Dank!

 

Die Seite wird zum Absenden NICHT neu geladen (die Antwort wird im Hintergrund abgesendet).

Punkt 1

9. Im Zusammenhang interessant

energetisch sanieren thema 250

➔  Zu allen Artikel "Energetisch sanieren"

Styroporplatten befestigen: Verkleben, Dübeltechnik, Schienensystem

Zur Dämmung von Wohnhäusern werden oftmals Styroporplatten verwendet. Dieses Material ist relativ preiswert, wirksam und leicht zu verarbeiten. Beim Verkleben und zusätzlichen Verankern von Styroporplatten an die Hauswand gibt es mehrere Möglichkeiten. Welche Technik zu welchem Zweck eingesetzt wird, soll im Folgenden erläutert werden.

Die verschiedenen Möglichkeiten zum Befestigen von Styropor vorgestellt ► Verkleben (Klebetechniken) ► Befestigung mit Dübel oder ... ► an einem Schienensystem ► Videoanleitungen zu den Techniken ► Umfrage ► Tipps & Tricks im Umgang mit Styropor

Hier weiterlesen

Dieser Beitrag beschäftigt sich mit den wichtigsten Dämmvarianten im Bereich "Wände".

Hier weiterlesen

Folgende Dämmvarianten finden bei Dächern ihre Anwendung:

Hier weiterlesen

Geschrieben von

Bauen-und-Heimwerken.de
Bauen und Heimwerken

Bauen-und-Heimwerken.de Team

https://www.bauen-und-heimwerken.de

Anbieterlinks / Sternchen

* Was das Sternchen neben einigen Verlinkungen bedeutet:

Die Inhalte auf dieser Website sind kostenlos im Internet verfügbar und das soll auch so bleiben. Unsere redaktionelle Arbeit finanzieren wir über Werbung. Links, die mit einem * gekennzeichnet sind, können bei Kauf/Abschluss auf der jeweiligen Website hinter dem Link zu einer Provision an uns führen, weil wir für den Link ein sogenanntes Affiliate-Programm nutzen. Dies beeinflusst aber die Redaktionsarbeit nicht, der Hinweis wäre stets auch ohne den Affiliate-Link erfolgt. Für den Kauf/Abschluss über den Link sind wir natürlich dankbar.