Hausfassade mit gelber Schalung

Fassadenverkleidung – Vor- und Nachteile der heutigen Möglichkeiten

Wer ein Haus baut, hat viele Entscheidungen zu treffen. Die Fassadenverkleidung gehört dazu. Sie ist die Visitenkarte eines Gebäudes und verrät etwas über seine Bewohner.

Doch nicht nur die Optik zählt. Auch die Eigenschaften einer Fassadenverkleidung sind von Bedeutung.

Ob Holz, Putz, WPC oder andere Optionen, in diesem Beitrag werden die vielfältigen Möglichkeiten der Fassadenverkleidung mit ihren jeweiligen Vorteilen und Nachteilen beleuchtet.

1. Zweck der Fassadenverkleidung

Die Fassade ist ein wichtiges Gestaltungselement eines Gebäudes und entscheidet maßgeblich darüber, wie ein Haus optisch wirkt. Außerdem kann die Verkleidung der Fassade den Energiehaushalt des Hauses beeinflussen, indem sie im Sommer übermäßige Wärme am Eindringen hindert und im Winter die beheizte Luft in den Innenräumen hält.

Die richtige Wahl der Fassade hat somit eine wichtige Bedeutung, wenn es darum geht, dem Neubau einen harmonischen Gesamteindruck zu verpassen, ein neues Gebäude optisch in die Umgebung zu integrieren und die Kosten für Heizung und gegebenenfalls Kühlung im Rahmen zu behalten.

Punkt 1

2. Möglichkeiten bei der Fassadenverkleidung und ihre Vor- und Nachteile

Heutzutage sind die Möglichkeiten der Fassadenverkleidung vielfältig. Neben den Naturmaterialien Holz, Schiefer und Metall gibt es auch vom Menschen hergestellte Materialien wie Faserzement, Klinker, Kunststoff und WPC. Einige der Materialien haben ein charakteristisches Aussehen (beispielsweise die typischen rotbraunen Klinkersteine), während es andere in den unterschiedlichsten Ausführungen gibt. Es ist eine Frage des Geschmacks.

Bei der Wahl des Materials sollte aber nicht nur das Aussehen berücksichtigt werden. Auch die Funktionalität und Langlebigkeit sind wichtige Aspekte. Denn Wind und Wetter hinterlassen auf manchen Materialien mehr Spuren als auf anderen.

Welche Vorteile und Nachteile die unterschiedlichen Materialien aufweisen:

fassade holz pflanzen 1000

2.1. Holz zur Fassadengestaltung

Heimisches Holz wie Eiche, Kiefer, Fichte oder Lärche ist ein natürlicher und nachhaltiger Werkstoff, mit dem die Fassade ganz unterschiedlich gestaltet werden kann. Die Größe und Ausrichtung der Holzlatten oder Schindeln, die Montagetechnik (etwa Feder- und Nutmontage, Boden-Deckelschalung oder Stülpschaltung) sowie die Oberflächenbehandlung (beispielsweise Yakisugi, eine japanische Technik zur Holzkonservierung, die das Holz schwarz färbt) können dem Haus mehr als nur die traditionelle gemütliche Holzhütten-Optik verpassen.

Zu den Vorteilen von Holz zählt, dass es sich um eine vergleichsweise günstige Art der Fassadenverkleidung handelt. Mit der richtigen Pflege kann eine Holzfassade mehrere Jahrzehnte halten. Außerdem der Naturstoff mit einer Lasur oder Farbe jederzeit einen frischen Look bekommen.

Als Minuspunkt des Naturmaterials ist allerdings anzumerken, dass es relativ stark auf Umwelteinflüsse reagiert. Starke Hitze und Trockenheit sowie übermäßig viel Wasser können dem Holz zusetzen. Damit das Holz durch Regen nicht aufquillt, wird es in der Regel als vorgehängte hinterlüftete Fassade (kurz VHF) angebracht.

fassade paneele holz 1000

2.2. Kunststoff als Fassadenverkleidung

Fassadenverkleidung aus Kunststoff in Form von Paneelen oder Platten ist ein witterungsbeständiges und pflegeleichtes Material, das feuchtigkeitsunempfindlich ist.

Optisch gibt es eine Vielzahl an Optionen: Der Kunststoff kann nach Holz oder Stein aussehen, eine matte oder glänzende Oberfläche haben sowie in den unterschiedlichsten Farben daherkommen.

Ein weiterer Pluspunkt einer Fassadenverkleidung aus Kunststoff ist der relativ günstige Materialpreis. Auch die Montage gilt als nicht auswendig oder kompliziert. Da die Kunststoffplatten oder Kunststoffpaneele kein hohes Eigengewicht aufweisen, ist eine simplere Unterkonstruktion ausreichend.

Auf der Seite der Negative steht, dass Kunststoff schmelzen und sogar brennen kann. Außerdem ist die Öko-Bilanz fraglich, da die Kunststoffverkleidungen teils aus neu gefördertem Erdöl produziert werden, obwohl Recycling-Kunststoffe geeignet sind (und auch teils verwendet werden). Darüber hinaus ist auch nicht sicher, dass die Kunststofffassadenverkleidung recycelt werden kann.

Wichtig

Da es die Kunststofffassadenverkleidung in unterschiedlichen Qualitäten gibt (faserverstärkte HPL , Hohlkammerplatten) und verschiedene Kunststoffe benutzt werden (besonders hartes uPVC, Polyester, Recycling-Kunststoffe) ist es sehr wichtig, sich genaustens zu informieren, woraus die Fassadenverkleidung fürs eigene Haus besteht.

2.3. WPC - Holz-Kunststoff-Verbundwerkstoff für die Fassade

WPC (kurz für Wood Plastic Composite) ist ein Verbundwerkstoff, bei dem den Restfasern aus der Holzindustrie neues Leben eingehaucht wird. Vielen ist der Stoff aus dem Gartenbereich bekannt - etwa als Sichtschutzzaun, Terrassendielen oder Klickfliesen. In der WPC Fassadenverkleidung stecken je nach Hersteller zwischen 40 und 70 Prozent Holz.

Das Material ist witterungsbeständig, pflegeleicht, hat ein geringes Eigengewicht und kann in der massiven Version bis zu 30 Jahre an der Hausfassade halten. Die Hohlkammerdielen sind tendenziell weniger langlebig.

Ein weiterer Vorteil sind das breite Farbspektrum und die unterschiedlichen Profilgrößen. Zudem lassen sich die WPC-Paneele senkrecht oder waagerechte anbringen.

Nachteile dieser Art von Fassadenverkleidung ist, dass sich das Material je nach klimatischen Bedingungen verändern kann. Bei starker Sonneneinstrahlung kann es vergrauen oder bei starker Luftverschmutzung Verfärbungen annehmen. Im Vergleich zu Holz bieten die künstlichen Nachahmungen aus WPC trotz gewisser Maserung weniger Lebendigkeit, da beispielsweise Astlöcher fehlen.

schiefer aufbau 1000Typischer Aufbau einer Schiefer-Verschalung

2.4. Schiefer - hochwertiger Naturstein für die Fassade

Ein in Schiefer gehülltes Haus wirkt edel und gepflegt. Das liegt daran, dass der Naturstein in einem eleganten Grau daherkommt und eine exzellente Resistenz gegenüber Verschmutzungen aufweist. Schieferfassaden besitzen zudem eine lange Lebensdauer und können 100 Jahre oder mehr überdauern.

Dank zahlreicher unterschiedlicher Deckarten und Größen der Schiefersteine kann eine Fassade aus Schiefer individuell und modern wirken. Weitere Pluspunkte sind der gute Witterungsschutz und die bauphysikalischen Eigenschaften (hält starke Sonne im Sommer ab und isoliert im Winter).

Ein Nachteil sind die Kosten. Im Bereich der Natursteine gilt Schiefer zwar eher als günstig. Aber die Qualität und Größe der Schiefersteine sowie die gewählte Deckart können den Preis für eine solche Fassadengestaltung in die Höhe treiben.

fassade gelb baum lampe 1000Verputze Fassade, gelb angestrichen

2.5. Putz - häufigste Art der Fassadenverkleidung

Putz ist die wohl häufigste Art der Fassadengestaltung in Deutschland. Die Vorteile liegen auf der Hand: Eine Putzfassade ist günstig, bietet Spielraum bei Farben und Strukturen und ist leicht anzubringen.

Aber Außenputz hat auch eine Reihe von Nachteilen. Er ist wetterempfindlich und verschmutzt. Viele Hausbesitzer leben mit den optischen Makeln und erneuern den Putz erst, wenn echte Schäden entstehen (das kann 10 Jahre oder mehrere Jahrzehnte dauern). Wird eine Ausbesserung oder ein Neuanstrich erforderlich, kann es insbesondere bei farbigem Putz zur Herausforderung werden. Die ausgebesserten Stellen sind dunkler (noch nicht durch Witterung ausgebleicht) oder unterscheiden sich in der Struktur. Und für einen Neuanstrich kann es nach 20 bis 50 Jahren gar nicht so leicht sein, den exakten Farbton zu finden.

klinker fassade rot rauchig 1000

2.6. Klinker - traditionelle Fassadengestaltung

Klinker sind im Grunde dekorative Ziegel, die bei heißen 1000 Grad Celsius zum Schließen ihrer Poren veranlasst werden. Dadurch entsteht ein sehr resistentes Produkt, dem Frost, Schmutz und Nässe nichts anhaben kann. Dadurch sehen verklinkerte Häuser immer gepflegt aus. Ein weiterer Vorteil ist die Langlebigkeit. Klinkerfassaden können problemlos 100 Jahre überdauern.

Für die Langlebigkeit ist ein höherer Härtegrad entscheidend.

Wer etwas gegen die klassische rot-braune Farbe hat, wird sich freuen zu hören, dass es inzwischen Klinker in vielen Farben gibt. Außerdem lassen sich die dekorativen Ziegel streichen.

Als Nachteil sind die höheren Kosten anzumerken. Sie setzen sich aus dem Material (sogenannte Handformsteine sind Klinker mittlerer Qualität und günstiger als Keramik-Klinker oder Vollsteine mit hohem Härtegrad), den Lohnkosten und dem Arbeitsaufwand bezüglich der Montage zusammen. Die Montage kann grundsätzlich auf zwei Arten vonstattengehen: als einschaliger oder als zweischaliger Wandaufbau. Letzteres bietet eine Luft- oder Dämmschicht zwischen eigentlicher Hauswand und den Klinkern, wodurch eine sehr gute Isolierung erreicht wird. Aber auch in der einschaligen Montage bringen Klinkersteine von Hause aus eine wärmedämmende Wirkung mit.

2.7. Faserzement (Eternit) als Fassadenverkleidung

Faserzement ist ein Verbundwerkstoff, der aus Zement und Fasern besteht. Er wird für Außenwände und Dächer verwendet und hat eine lange Lebensdauer (über 50 Jahre). Für die Fassadenverkleidung kommen Faserzementplatten zum Einsatz, die als VHF (vorgehängte hinterlüftete Fassade) montiert werden. Sie sind robust und witterungsfest.

Ein weiterer Pluspunkt ist, dass das Material weder schmilzt noch brennt.

Als Nachteil ist der höhere Preis zu sehen.

2.8. Metall zur Fassadengestaltung

Rostfreie Metalle wie Aluminium, Kupfer, Stahl, Titan und Zink sowie Legierungen dieser Metalle sind für die Fassade geeignet und bieten mehrere Vorteile:

  • witterungsbeständig
  • wartungsarm
  • flexibel und dennoch stabil und daher für untypisch geformte Baukörper einsetzbar
  • blitzableitend
  • lässt sich recyceln
  • speziell bei einer Aluminiumfassade ist das niedrige Gewicht ein Vorteil

Auf der Seite der Nachteile ist Metall zur Verkleidung der Fassade:

  • teuer
  • nur mit zusätzlicher Unterkonstruktion möglich
  • kühle Optik (mag an Industriegebäude erinnern)
  • größerer Platzbedarf, da es sich um eine vorgehängte hinterlüftete Fassade handelt

2.9. Möglichkeiten ohne Ende

Neben den hier näher beleuchteten Möglichkeiten zur Fassadenverkleidung gibt es noch weitere Optionen wie Stein für die Fassade (andere Natursteine als Schiefer oder Kunststein), Ziegel oder etwa Glas.

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3. Die Kostenfrage: Welche Fassadenverkleidung ist besonders günstig?

Grundsätzlich gelten Putz und Holz als günstige Fassadenverkleidung. Heutzutage lässt sich die Frage nach den Kosten aber nur schwer beantworten, denn die Krisen der vergangenen Monate und Jahre haben die Preise für Baustoffe in die Höhe schießen lassen - und ein Ende ist nicht absehbar. Aktuelle Anschaffungspreise für das Wunschmaterial zur Fassadengestaltung sollten daher kurz vor dem Bau oder der Sanierung erfragt werden.

Neben dem Anschaffungspreis gilt es aber auch die Ausgaben für Pflege und Wartung im Hinterkopf zu behalten. Einige Materialien müssen regelmäßig gepflegt werden, damit sie Jahrzehnte überdauern.

Tipp

Bei der Fassadengestaltung muss es nicht nur ein Material sein. Moderne Bauten kombinieren oft zwei oder mehr unterschiedliche Fassadenverkleidungen, um das Haus dynamischer wirken zu lassen oder architektonische Besonderheiten zu betonen. Außerdem lassen sich so manchmal Kosten sparen.

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4. Fazit

Die Frage nach der besten Fassadenverkleidung lässt sich nicht objektiv beantworten. Der individuelle Geschmack spielt dafür bei der Entscheidung eine zu große Rolle. Wer ein Haus baut oder saniert, sollte aber nicht nur die Optik des Gebäudes bedenken, sondern auch die Eigenschaften der unterschiedlichen Materialien mit einbeziehen. Zusätzlich lohnt es sich, Aspekte wie Pflege- und Wartungsaufwand sowie Langlebigkeit im Hinterkopf zu behalten. Und dann ist da noch die Verfügbarkeit des Wunschmaterials ...

Punkt 1

5. Ergänzungen und Fragen von Lesern

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